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THEMA: Gunnar Heinsohn über die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al.

Gunnar Heinsohn über die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al. 15 Jan 2014 21:24 #8996

Bei Gelegenheit komme ich auf die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al. zurück. Immer haben mich die Festungen (rund ein Dutzend, von denen ich die meisten besucht habe) des Staufers Friedrich II. (1194-1250) davon abgehalten, dem 2. Jtsd. u.Z. an den Kragen zu gehen.

Heute habe ich mir in Catania noch einmal das Castello Ursino von 1237ff. angeschaut, um zu sehen, ob etwas darunter ist. In der Tat ist eine frühere nicht-römische und sehr rohe Festungsstruktur gefunden worden (s. attachment; S. 2).

Die wird ins 9.-12. Jh. datiert. Prinzipiell könnte sie auch noch kurz nach 1200 angesetzt werden, davor jedoch schwerlich. Ich frage mich, wie in Ihrem Diskussionskreis mit diesen Festungen chronologisch umgegangen wird.

Gunnar Heinsohn



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Gunnar Heinsohn über die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al. 16 Jan 2014 11:06 #8997

Burgen und Festungen sind auch mein Steckenpferd.

Dieses Castello Ursino in Catania, mit seinem rechteckigen, von vier runden Ecktürmen flankierten Grundriss, verrät eine typisch westliche, fränkische Herkunft. Man kann das Schloss ins "Mittelalter" datieren, nach meiner Schätzung in die Zeit um 1750.

Die "Hohenstaufen" kann man getrost vergessen. Und die Datierung "13. Jh." ebenfalls.

Dass unter dem Castello Ursino noch Reste einer vorherigen Burg zu finden sind, stellt keine Probleme. Schliesslich wurde Festungsplätze über Epochen hinweg benutzt.

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Gunnar Heinsohn über die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al. 19 Jan 2014 20:53 #9001

Basil Basileus:

Es wäre nicht überraschend, wenn das Castello Ursino erst von Friedrich III., König von Sizilien von 1295-1337, errichtet wurde. Dieser ist nach offizieller Geschichte Enkel des letzten Stauferkönigs von Sizilien Manfred I. Friedrich III. residierte auch im Castello Ursino.

Eine Rückdatierung ist für dessen Legitimierung (und seiner Nachfolger) optimal, da angeblich dort zuvor das Parlament tagte, das 1295 den Vorgänger absetzte und Friedrich von Aragon zum König von Sizilien wählte. Dieser wird heute als "Friedrich III." bezeichnet, obwohl er nach offizieller Geschichte erst der zweite König von Sizilien mit Namen Friedrich ist, also eigentlich Friedrich II. heißen müßte.

Er soll sich sogar schon selbst so bezeichnet haben, um sich als Fortsetzer der Staufer-Dynastie zu legitimieren (das ist eine Vermutung der offiziellen Geschichte), was aber höchst unsinnig ist, da er keinerlei Ansprüche auf die römische Königswürde erhob - da würde dann III. stimmen. Ich denke, da haben es die Märchenerzähler etwas übertrieben.

Der Vorgängerbau würde dann von den Germanen (Normannen, Staufer, Goten oder wie man die nennen möchte) stammen, die zuvor im 12./13.Jh. ihre Italienische Reise gemacht hatten.

Im Übrigen: Folgt nicht in Wirklichkeit die Zuschreibung ("Festungsreste, die vage vom 9. bis ins. 12. Jh. datiert werden") nur dem Chronologiedogma, das in dieser Zeit dort die Normannen sieht ?

Beste Grüße
Mario Arndt

P.S.:
Würde mich übrigens sehr interessieren, wie Sie "die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al." einschätzen, da ich davon von Ihnen außer einer kurzen Bemerkung in den ZS vom von 2011 oder 2012 (bei der m.A.n. ein Mißverständnis vorliegt) noch nichts gelesen habe.

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Gunnar Heinsohn über die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al. 19 Jan 2014 20:55 #9002

Danke für die Antwort.

Skandinavische Germanen bzw. Wikinger sind selbstredend vor 230 u.Z. in der Römerzeit da (mindestens von Island bis an die Weichselmündung und im Handel bis nach Mesopotamien). Ihre unabhängigen Reichsbildungen (übrigens mit sehr kleinem Personal) folgen sehr bald nach der 230er Katastrophe und sind (bei ca. 230=930) im 11. Jh. abgeschlossen. Der Falkenbuchschreiber Friedrich II. ist - so sehe ich es - Abkömmling letzterer. Man müsste jetzt etliche Friedriche suchen, um alle seine Festungen nach 1300 zu verbringen.

Gunnar Heinsohn

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Gunnar Heinsohn über die mathematische Mustererkennung der Chronologiebildung à la Fomenko et al. 19 Jan 2014 21:17 #9003

Das Chronologiedogma geht von einem Nacheinander aus: Erst Römer, dann Normannen, inklusive ihrer Bauten.

Es spricht aber auch nichts dagegen, daß die Germanen bereits zur Römerzeit einzelne Stützpunkte im Mittelmeerraum hatten, die ja auch nicht dauerhaft gewesen sein müßten. Von einem regen Austausch zeugen die unzähligen römischen Münzen in Skandinavien. Im Mittelalter ist so etwas nach offizieller Geschichte normal. Nur in der Antike soll angeblich die römische Armee jeden Zipfel des Riesenreiches so im Griff gehabt haben, daß das nicht sein kann oder darf.

So könnten dann die Überreste (wenn dann der Vorgängerbau überhaupt vollständig war) unter dem Castello Ursino auch schon zur späten Römerzeit entstanden sein. Oder sie stammen von einem Bau vor den Römern.

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Letzte Änderung: von Basileus.

Gunnar Heinsohn über Chronologie & Geschichte 20 Jan 2014 12:06 #9004

"Basileus" begreift die Sache richtig:

Man muss die historischen Dogmen wegwerfen, mit ihren fixen Epochen und den damit verbundenen fixen Zeit- und Epochenangaben.

Dass Castello Ursino in Catania ist in der heutigen Erscheinung eindeutig "spätmittelalterlich". - Ein darunter liegender älterer Grundriss muss also älter sein ("frühmittelalterlich" oder "spätrömisch".) - Und die zeitliche Differenz zwischen dem jüngeren und älteren Bau beträgt wohl nur Jahre, allerhöchstens ein paar Jahrzehnte.

Gunnar Heinsohn hingegen kommt aus seiner professoralen Verkrustung nicht heraus:

- Von einer Katastrophe "um 230 AD" habe ich noch nie gehört (meint H. das Ende der Severer-Dynastie?).

- 1100 AD oder 1300 AD sind irreale Jahrzahlen der chronologisierten erfundenen Geschichte, haben keine Beziehung zu einer realen, evidenzorientieren Zeitschätzung der Vergangenheit.

- Das Buch über die Falkenjagd (De arte venandi cum avibus) wird der fiktiven Gestalt des Friedrich II. von Hohenstaufen zugeschrieben. Tatsächlich ist das Werk wohl in Deutschland geschrieben worden (vielleicht um 1760).

- Die Deutschen (Hohenstaufen) hat es in Süditalien nie gegeben.

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